Entscheidungscoaching

Rouge et vert – Frantisek Kupka

Immer wieder stellt das Leben uns vor komplexe Entscheidungen, die größer und deutlich folgenreicher sind als die alltäglichen Fragen, welches Shampoo wir kaufen oder was wir essen möchten. Besonders in der beruflichen Entwicklung kommen wir regelmäßig an Schwellen, an denen Entscheidungen bewusst getroffen werden müssen, die unser Leben dann für längere Zeiträume prägen: Für welche Ausbildung oder welches Studium entscheide ich mich? Welche Karriere strebe ich nach dem gemachten Abschluss an? Womit oder als was will ich mich selbständig machen?  

Auf die Entscheidenden drängt vieles zugleich ein, was in der zu treffenden Entscheidung untergebracht werden will. Dabei geht es psychologisch weniger um eine rational begründete Wahl zwischen zwei oder mehr Alternativen, sondern vielmehr um das Finden eines neuen Bildes, das bisherige Entwicklungen in sich aufnehmen und zu einer neuen und entschiedenen Zielgestalt weiterführen kann.  

Im Gemälde „Rot und Grün“ (1913) von Frantisek Kupka kommen verschiedene Formen und Farben in einer neuen und zugleich nicht vollständig bestimmten Gestalt zusammen. Betrachter erleben sowohl Vielfalt als auch Richtungslosigkeit und fühlen sich herausgefordert, diese lebendige Unbestimmtheit zu ordnen und zu bändigen. Da werden Figuren herausgehoben und in Beziehung zueinander gebracht, Bewegungen erspürt und das Gefüge im Ganzen rekonstruiert. In diesem Überführen-Wollen von verschiedenen und sich vielleicht auch widersprechenden Tendenzen in eine bestimmte Form spiegelt sich die Dynamik von Entscheidungsprozessen.   

In einem Workshop zur Berufswahl mit Hochschulabsolvent*innen konnten die Teilnehmer*innen den Stand ihres eigenen Entscheidungsprozesses im Erleben des Kunstwerks bildlich wiederfinden: Wirkt das noch aufgewühlt oder schon beruhigt gehalten von einem umfassenden Rahmen? Droht das zu zerfließen oder ist es starr? Verliert man sich im Klein-Klein der verschiedenen Gestalten oder gibt es einen roten Faden? Einmal im gemalten Bild erkannt, konnten die Teilnehmer*innen „sehen“, was alles weitergeführt und untergebracht werden will im neuen Berufs-Bild, wohin es drängt, wo es noch hakt oder was zum Gelingen noch fehlt.